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BFS-Mitglied Sascha Nölke, der (viel) Arbeit gerne mit dem Angenehmen verbindet

Berlin 24.04.2018

 

Lieber Sascha,

Du bist jetzt seit 14 Jahren im Geschäft, nach einer Ausbildung als Mediengestalter – da kann man schon einige Erfahrungen sammeln! Du arbeitest querbeet, Film, Dokumentation, Show, und warst vor allem am Anfang deiner Berufslaufbahn nicht wählerisch. Man lernt immer dazu und entwickelt sich weiter, ist dein Arbeits-Motto. Und damit bist du gut gefahren.

Wie hast du als Editor angefangen?

 

SASCHA: Seit 2004 arbeite ich als Editor. Angefangen habe ich bei einer kleinen Produktionsfirma für Zeitgeschichtsdokumentationen.

Seit 2009 bin ich selbstständig, als freiberuflicher Editor.

 

Seitdem arbeite ich überwiegend für TV-Produktionen und zähle alle namhaften Produktionsfirmen zu meinen Auftraggebern.

 

Zum Showschnitt bin ich wie die Jungfrau zum Kinde gekommen:

Die damalige „undbitte entertainment“ in Köln vermittelte mich 2010 zu UFAs „X Factor“.

Da wurde ich im Grunde ins kalte Wasser geschmissen. Ich habe mich aber sehr schnell eingearbeitet, da ich ein gutes Gefühl für Geschichtenerzählen und Montage habe.

 

Als freiberuflicher Editor sehe ich es immer so:

Alles mitnehmen und sich einarbeiten. Wenn man ein gutes Gespür für Geschichten hat und auch sehr gut, schnell und gewissenhaft arbeitet, kann man sich in jedes Format einfuchsen.

 

Es folgten im Jahr darauf die Show „My name is...“ und die zweite Staffel „X Factor“, an denen ich jeweils von Anfang bis zum Ende mitarbeitete.

Und dann wurde ich von itv Studios Germany für „Ich bin ein Star, holt mich hier raus!“ 2012 gebucht.

Da war ich sehr aufgeregt.

 

Im Vorfeld wurden die vertraglichen Dinge geklärt, und ich stellte mich auf eine stressige Zeit, aber auch auf das Abenteuer Australien ein:

 

12 Stunden Schicht,

inklusive Dry Runs (Probetage mit Strohkandidaten),

3 Wochen durcharbeiten,

Hotel am Meer.

 

Überstunden, bzw. angerechnete Urlaubstage wurden voll vergütet! 

 

Die Arbeit als Editor bei „IBES“ ist eine echte Herausforderung. Man muss technisch versiert und schnell mit dem Avid und auch den Effekten (Sapphire und Boris) umgehen können.

Als Editor bringt man sich als volles Schnittteammitglied intensiv gestalterisch wie inhaltlich ein.

 

Man muss im geloggten Rohmaterial mit dem Redakteur/der Redakteurin die Geschichte finden, sich besprechen und dann in der Schicht sein Item auf besprochenen Inhalt und auf Sendelänge schneiden und nachbearbeiten (FX, Musik, SFX, Verpackung, etc.).

 

Bei „IBES“ wird den Schnittteams viel abverlangt.

Zu der langen Arbeitszeit kommt der zeitliche Stress, das Klima in Australien, die Fülle an Material und ggf. das Warten auf Material.

Dieses wird in 20-Minuten-Chunks 24/7 aufgezeichnet und durch australisch/britische Assistenten eingeladen, gegroupt und angelegt.

Trotz dieser Voraussetzungen macht es großen Spaß, zu diesem Team dazuzugehören!

 

Als guter Editor hat man sich über Jahre eine Festplatte voll mit ganz unterschiedlichen Musiken angelegt. Jede emotionale Stimmung kann dadurch abgedeckt/bedient werden. 

So sind auf meiner HD nicht nur Produktionen von Sonoton, West One Music Group, Earmotion u.a.

Ich verschneide viele Soundtracks, diverse Bands und teilweise (und nicht so gern) Charts.

 

Letztere wären im Dschungel ein No-Go, da dort viel Wert auf Indie-Musik gelegt wird - bei DSDS oder auch PromiBigBrother hingegen ist das schon gern gesehen.

 

BFS: Wie oft warst du in Australien? Hat die Arbeit bei „IBES“ deiner beruflichen Karriere geholfen?

 

Seit meinem ersten „IBES“ war ich nun vier Mal in Australien dabei.

Nach 2012 öffnete mir das Dschungelcamp bei diversen Produktionsfirmen und Formaten Türen. Viele Herstellungsleiter, Producer und Disponenten riefen mich danach an - es war tatsächlich ein Türöffner - da nicht jeder Editor für „IBES“ genommen und die Auswahl nicht nur durch die Produktionsfirma itv Germany, sondern auch von RTL (in dem Falle Markus Küttner) besprochen und getroffen wird.

 

Inzwischen habe ich wirklich viele Einspieler und Shows bei unterschiedlichen Produktionen montiert:

 

- Der Deutsche Comedypreis

- Ich bin ein Star, holt mich hier raus!

- Promi BigBrother

- Deutschland sucht den Superstar

- The Taste

- Luke, die Woche und ich

- Wer wird Millionär?

- Die größten Schweizer Talente

- Luke, die Schule und ich

- Raab’s WOK WM

- u.a.

 

Den Showschnitt kann man schlecht als den Showschnitt über‘s Knie brechen! Denn die Arbeitsweisen sind unterschiedlich, je nach Art und je nach Einsatz des Editors.

Nehmen wir Der Deutsche Comedy-Preis.

Da werden Nominierungseinspieler, der Cold Opener (szenisch) und das szenische Spezial beim letzten Comedypreis 2017: „Mach meinen Gag“ montiert.

 

Aber ich schneide auch die Sendung nach der AZ (Aufzeichnung)! Das ist noch mal etwas anderes.

Wichtig ist: zur Aufzeichnung der Sendung war ich im Studio, um mir spätere Kürzungen zu notieren.

 

Am Tag nach der AZ wurde die Sendung dann gekürzt und auf Länge gebracht, konfektioniert, abgenommen, Änderungen gemacht und exportiert auf XDCam. Dann warten auf die TA (Technische Abnahme) bei der CBC in Köln und dann Ausstrahlung.

 

Während man manchmal für den Schnitt der Einspieler gebucht wird, kommen auch Aufträge für den Sendungsschnitt oder eben beides zusammen, dann wird man für einen längeren Zeitraum gebucht.

 

Manchmal sitzt einem die Produktionsleitung im Nacken, da die Zeit gegen einen arbeitet und die Ausstrahlung schon einen Tag nach der AZ ist!

Und manchmal arbeitet man die AZs runter und die Ausstrahlung ist erst Monate später (zum Beispiel: The Taste/DSDS/u.a.).

BFS: Wenn man Dich als Editor für einen Kinofilm beschäftigt, was kannst Du aus Deiner Showerfahrung mitbringen, welche Erfahrungswerte, welche „Schulung“, die andere Editoren nicht vorweisen?

SASCHA: Da ich alle Formate beherrsche und mich nicht festlege, wäre das Editieren eines Kinofilms oder einer fiktionalen Serie kein Hindernis, sondern ein weiteres Abenteuer, das ich meistere.

So ist die Reality-Doku (Mein Lokal, dein Lokal / Hot der Schrott) vom Dreh her ähnlich:

Viele Szenen werden in weiteren/anderen Einstellungen gedreht, dabei auf Anschlüsse geachtet. 

 

Beim Kinofilm oder auch bei Serien ist die Handlung durch die Regie und das Drehbuch vorgegeben und wird im Schnitt abgearbeitet. Der Spielraum ist für den Editor begrenzt.

(Dennoch stehen diese beiden noch auf meiner Agenda, weil ich große Lust darauf hätte!)

 

BFS: Sich weiterzuentwickeln ist auch für Editoren enorm wichtig. Was machst Du? Gehst du viel ins Kino? Siehst Serien? Oder besuchst du Seminare?

 

SASCHA: Das ist eine interessante Frage.

Ich schaue sehr gerne gut gemachte Serien und Filme, vor allem auf Netflix und Amazon Prime.

Dadurch lasse ich mich inspirieren, gerade im Bereich Effekte. Wenn es das Format und die Zeit zulassen, versuche ich diese Effekte nachzubauen.

Beim letzten Dschungelcamp habe ich einige Items geschnitten, bei denen ich mich in Hinsicht auf Effekte und mit Sounds voll ausleben konnte.

 

Die Dramaturgie ist meiner Meinung nach im Material, bzw. in der Geschichte und erzählt sich dann von selbst. Seminare habe ich noch nie besucht.

Schnitt ist nicht nur Kunst.

Schnitt ist eben auch Handwerk und ein Gespür, welches sich nicht unbedingt erlernen lässt.

 

BFS: Lieber Sascha, vielen Dank, dass du dir so viel Zeit für uns genommen hast und uns einen wunderbaren Einblick in deine Arbeit gewährt hast.