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© David Fabra, BFS

David Fabra

David Fabra im OFFENEN SCHNEIDERAUM

Berlin 04.10.2018

 

Sebastian: „Was willst Du denn eine Woche bei mir sitzen, das ist doch total langweilig für Dich!“

David: „Ganz im Gegenteil!“

 

Im Frühjahr 2016 konnte BFS-Mitglied David Fabra zwei Editoren bei ihrer Arbeit über die Schulter zu sehen: die Idee des „OFFENEN SCHNEIDERAUMS“ hat ihn begeistert. David arbeitet seit fast 20 Jahren mit Kurzformaten, beispielsweise Werbespots für Porsche, Skoda oder die Berliner Verkehrsbetriebe BVG. Er konnte sich bei Sebastian Thümler die Arbeit an einem TATORT ansehen, bei Stefan Essl erlebte er, wie eine Komödie durch Timing und Rhythmus ihren Humor entfaltet. David Fabra über seine Zeit im „offenen Schneideraum“:

 

David: Im Frühling 2016 hatte ich das Glück, innerhalb von wenigen Wochen gleich bei zwei Top-Editoren ihres Faches, Sebastian Thümler und Stefan Essl, jeweils eine Woche im Schneideraum zu verbringen. Ich hatte sie während der BFS-Jahreshauptversammlung in Berlin angesprochen. Beide waren sehr erstaunt über die Anfrage, aber nicht abgeneigt von der Idee. Bei Sebastian war ich eine Woche, während der er an einem Münsteraner Tatort arbeitete. Ich wusste zwar noch nicht, was mich so erwarten würde, aber ich war mir sicher, ich würde diese Zeit aufsaugen, und so war es auch. Bei Stefan hatte ich das Glück vorbeizukommen, als er gerade an einer bayerischen Komödie saß. Wir hatten zunächst 2 Tage Besuchszeit ausgemacht. Aber als das Eis gebrochen war und wir uns so gut verstanden, fragte er mich, ob ich nicht eine ganze Woche bleiben wolle.

 

Das ließ ich mir nicht entgehen. Somit hatte ich innerhalb kürzester Zeit einen Einblick in zwei unterschiedliche Arbeitsweisen, noch dazu konnte ich mir einen kleinen Überblick über die Eigenheiten der verschiedenen Genres verschaffen. Ich sah, welche speziellen Anforderungen und Herangehensweisen Stefan und Sebastian an das Material und die Genres stellten. Es ging mir in erster Linie nicht darum zu schauen, welche Shortcuts wer wie verwendet, dazu kam es während dieses Austauschs automatisch. Mich hatte mehr interessiert, wie Sebastian sagt, „wie jeder an einen Film herangeht”, welche Denkweisen und Empfindungen andere Editoren haben. Vor allem, warum wir diese haben und wie wir diese Empfindungen umsetzen. Es ging mir darum, beide zu verstehen, in ihrem kreativen Handeln, in ihren Beurteilungen, erst recht in einem Spielfilm-/ Kinoformat. Ist es so anders als die Werbewelt? Ich würde sagen: nicht ganz. Der Bogen der gespannt wird ist gefühlt nur viel größer. Man hat die außergewöhnliche Chance, seine eigene Arbeit, das Schneiden, mal aus einem ganz anderen Blickwinkel zu betrachten, ohne den Druck zu haben, selbst in die Tasten drücken zu müssen. So kann man das Material und die Performances, die vor einem liegen, in sich aufnehmen, über eigenes Film- und Gefühlsverständnis reflektieren, dieses sogar neu entdecken und mit seinem Gegenüber diskutieren.

 

Da der Schneideraum, wie wir alle sehr gut wissen, ein sehr intimer Raum ist, war es mir sehr wichtig, beide nicht aus ihrem Flow zu reißen. Es ist ja keine alltägliche Situation, inmitten eines Arbeitsprozesses einen Kollegen an der Seite zu haben. Aus einem anfangs stillen Danebensitzen und genauem Betrachten des Materials sowie Sebastians und Stefans Umgang damit, entwickelte sich mit der Zeit ein reger Austausch über Performances, Tempi oder den dramaturgischen Aufbau der Szenen, darüber, wie sie eine Szene angingen und aufbauten. Da ich das Drehbuch nicht kannte, sprachen wir auch darüber, welche Bedeutung die Szenen hatten, wo sie eingebettet werden sollten, welche Anschlussszene gewählt wurde und wieviel Aufmerksamkeit man ihrer Länge geben sollte. Wir tauschten unsere ersten Impulse, Sichtweisen und Gefühle zum Material aus, warum man welchen Kamerawinkel mit welcher Performance als gut befand und wie man sie einsetzen wollte, um den Kern der Szene auszuarbeiten.

Die unterschiedlichen Arbeitsweisen zu beobachten war hochinteressant! Der eine schneidet von Anfang an schon etwas tighter und versucht gleich schon näher an der Essenz im RoughCut zu sein, um dann im Durchlauf mit dem Regisseur weitestgehend nur an der Story zu arbeiten. Der andere lässt zunächst beim ersten Erarbeiten der Szene im Rough Edit noch etwas Raum, um vielleicht am nächsten Tag zu ihr zurückzukehren, bevor er dann die Finetunewalze auspackt.

Für mich, als Neuling im Bereich Spielfilm, war es spannend zu sehen, welches Material überhaupt geschossen wurde, wie die Szenen kameratechnisch aufgelöst wurden. Ebenfalls spannend war, wie stark die schauspielerischen Performances von namhaften Akteuren sind, und welche Zutaten und Förmchen bei so einem Langfilm überhaupt vorhanden sind, um dann in sie einzutauchen und mit ihnen zu spielen, um am Ende die große Burg zu bauen. Dieses einfache Danebensitzen und strikte Zuschauen und Beobachten schärfte noch mehr meine Sinne, mein eigenes Beurteilungsvermögen, mein Gespür für gute Takes und Momente, für die Story und die Charaktere, für all die Bausteine, die dazu dienen, einen funktionierenden Film zu kreieren.

 

Davids Empfehlung: Macht es ebenfalls!

Es tut gut, einmal nicht allein im Schneideraum zu sein, sondern sich mit einem Sparringspartner aus dem gleichen Gewerk kreativ auszutauschen. Noch dazu macht es einfach großen Spaß! Ich habe neue Impulse gewonnen und zusätzlichen Blickwinkel auf das eigene Empfinden und Handeln. Es spielt dabei keine Rolle, ob man ein alter Hase ist oder nicht.

Klar, diese eine Woche war verdammt kurz, für mich zumindest, dennoch versucht man in dieser kurzen Zeit so viel wie möglich mitzunehmen. Vieles bleibt an der Oberfläche. Aber die Möglichkeit, einem Kollegen über die Schulter zu blicken, war jede Minute wert. Im besten Fall gewinnt man einen neuen Kreativpartner, der mit dem gleichen Feuer dabei ist, mit dem man sich weiterhin austauscht, ob kreativ oder menschlich, und den man vielleicht eines Tages bei einem Projekt sogar tatkräftig unterstützen kann.

Stefan und Sebastian hatten mich Monate später als Unterstützung für ein Projekt angefragt - leider hatte es terminlich bei mir nicht geklappt. Ich hatte mich sehr über ihr Vertrauen mir gegenüber gefreut. Und ich hoffe auf weitere Gelegenheiten, wieder mit ihnen anregende Stunden im Schneideraum zu verbringen.

Also, probiert es selbst einmal aus…
Danke Sebastian, danke Stefan.

Mein letzter Tipp: Dieser Austausch sollte auf jeden Fall in dem Raum stattfinden, der unser Raum ist, „the room where the magic happens…”