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Die Reste meines Lebens © Camino Filmverleih GmbH

Falk Peplinski erzählt über seine Arbeit an "Die Reste meines Lebens"!

Filmeditor/in:  Falk Peplinski

Frankfurt a. M. 07.06.2017

 

Der gerade angelaufene Kinofilm „Die Reste meines Lebens“ erzählt von einem jungen Mann (Schimon), der nach einigen kurz aufeinander folgenden Schicksalsschlägen dem Leben und seiner Zukunft erst Recht die Stirn bietet. Nach dem Tod seiner schwangeren Frau findet der Komponist und Musiker kaum noch Energie, um sich wieder aufzurappeln, doch bald lernt er Milena kennen und verliebt sich in sie. Ein Glück, das von seiner Vergangenheit überschattet werden soll. Wir haben dem Editor des vielversprechenden Sommerfilms, Falk Peplinski einige Fragen zu seiner Arbeit gestellt...

 

Du kennst den Regisseur des Films sehr gut – was waren die Herausforderungen und vielleicht auch Schwierigkeiten beim Montieren des Films?

Falk Peplinski: Jens Wischnewski und ich kennen uns seit unserem gemeinsamen Studium an der Filmakademie Baden-Württemberg - ich habe fast alle seine Filme geschnitten. „Die Reste meines Lebens“ sollte eigentlich unser gemeinsamer Abschlussfilm sein. Doch Jens konnte das Projekt damals nicht finanzieren und so dauerte es noch mal über drei Jahre bis es endlich soweit war.

Die Herausforderung bei der Montage war ganz klar die achronologische Erzählweise. Ich wusste von Anfang an, dass es entscheidend für den Film sein würde, den richtigen Rhythmus zu finden und die vielen Rückblenden genau zu positionieren und zu timen. Die Wirkung der einzelnen Szenen und der Flashbacks kann man aber nur im Fluss des gesamten Films beurteilen. Schon kleinste Umstellungen hatten große Auswirkungen. Ich musste also immer und immer wieder den gesamten Film schauen. Das war schon sehr anstrengend.

Auch die häufige Verwendung von Musik war nicht ganz einfach. Die vielen Musikeinsätze sind dramaturgisch durchaus relevant, aber ich wollte auch nicht, dass der Zuschauer davon erdrückt wird. Und wenn z.B. Musik auf Musik folgt, ist das meist nicht schön und für den Rhythmus nicht unbedingt förderlich. Also musste ich gute Lösungen dafür finden. Die lange Einleitungssequenz zu Beginn des Films war z.B. so eine Herausforderung. Eigentlich ist das eine sehr lange Montagesequenz mit Voice-Over und Musik, bei der der Zuschauer mit ziemlich vielen Infos bombardiert wird. Und dann wird sie auch noch durch den Tod des Großvaters und den verstummenden Herzton unterbrochen, nur um danach mit einem anderen musikalischen Thema erneut anzusetzen. Das war schon etwas gewagt.

Es gibt außerdem eine Szene, wo sich Musiken tatsächlich überlagern. Bei der Kennenlernszene von SCHIMON und MILENA (Luise Heyer) im Club läuft ein grooviger Motown-Soul-Song. MILENA zieht SCHIMON auf die Tanzfläche und der Kuss bahnt sich an. Dabei wird die DJ-Musik, also der Soul-Song immer mehr ausgeblendet und es setzt wiederum ein etwas kitschiger Love-Song ein. Überhaupt arbeiten wir im Film viel mit richtigen Songs, für die es z.T. klare Vorbilder gab und die ich auch als Temptrack verwendet habe. Aber natürlich wäre es aus finanzieller Sicht völlig unmöglich gewesen diese Songs zu verwenden. Am Ende musste also alles von unserem Musiker Peter Gromer neu komponiert werden, insgesamt sind es mehr als 30 Songs und Scores. Eine echte Mammutaufgabe.

 

Was war anders bei diesem Projekt verglichen mit den bisherigen Arbeiten, die du für Jens Wischnewski montiert hast?

Falk Peplinski: Nun zunächst einmal war es die schiere Größe des Projekts. Es ist das Kinodebüt von Jens und für ihn bedeutet dieser Film ungeheuer viel. Aber auch für mich war es der erste „große“ szenische Film für’s Kino. Außerdem war es unsere erste gemeinsame Arbeit, die wir ohne das sichere Netz der Filmhochschule gemacht haben. Zudem waren sich alle inklusive der Produzenten einig, dass die Montage bei diesem Film einen extrem hohen Stellenwert haben würde und alle hatten davor auch einen gewissen Respekt. Die Verantwortung und auch die Erwartungen an mich waren also durchaus groß.

Die Materialfülle war natürlich auch eine andere als bei den vorherigen Filmen von Jens. Das Budget war eigentlich sehr gering, das Drehbuch aber randvoll von visuellen Ideen, Drehorten, Zeitsprüngen und kleinen „Side-Stories“. Eigentlich kaum zu glauben, dass Jens und sein Team es geschafft haben tatsächlich alles zu drehen.

 

Was hat dich an der Geschichte, die der Film erzählt, gereizt - vielleicht auch überzeugt, - um viel Arbeit hinein zu investieren?

Falk Peplinski: Mich hat vor allem die filmische Erzählweise sofort angesprochen. Das Drehbuch war aus meiner Sicht sehr auf Montage hin geschrieben und sah den Einsatz einer Vielzahl von filmischen Mitteln vor - also ein Glücksfall für jeden Filmeditor und ganz sicher ein Glücksfall für mich. Neben den erwähnten Zeitsprüngen spielen z.B. Töne und Musik eine große Rolle für die Figur und die Erzählung. Das ist genau mein Steckenpferd. Das war im Grunde endlich ein Film bei dem ich alle Register ziehen konnte.

Das Thema Tod, Verlust und Schicksal, das der Film behandelt, war auch etwas, mit dem ich mich bereits viel auseinandergesetzt habe. Mein Abschlussfilm an der Filmakademie war ein Dokumentarfilm, der einen alten Mann bis in den Tod begleitet („Das letzte Kapitel“, Regie: Maximilian Haslberger). „Die Reste meines Lebens“ wirkt auf mich heute wie die szenische Fortsetzung dieses Themas.

 

„Die Reste meines Lebens“ wird in den Medien als Tragikomödie bezeichnet – würdest du ganz persönlich den Film als eher tragisch oder eher komisch bezeichnen?

Falk Peplinski: Weder noch. Der Film soll absichtlich nicht in eine dieser Kategorien fallen. Es wird ja ein eigentlich sehr ernstes Thema mit viel Wärme und Leichtigkeit erzählt. Eine große Herausforderung in der Montage war es, in den Szenen stets die Balance zwischen Drama und Komödie zu finden. Das war auch für die Darsteller nicht besonders einfach. Nie sollte der Film zu sehr in die eine oder andere Richtung abdriften. Das ist sowohl wichtig für die Tonalität als auch für die Dramaturgie der Geschichte. Natürlich ist das am Ende auch immer eine Geschmacksfrage, deshalb mussten Jens und ich uns immer ganz auf unser eigenes Urteilsvermögen verlassen. Da gab es auch wirklich schwierige Phasen während des Schnittprozesses, wo man sich gegen zu viel Einfluss von Außen wehren musste.

Nach den Screenings der vergangenen Wochen kann ich nun sicher sagen, dass uns dieser Balanceakt geglückt ist. Im Grunde ist der Film dem Genre nach ein Drama, das Dramatische wird aber stets durch Humor und Überspitzung gebrochen. Und na ja – eine wirklich gute Komödie ist eigentlich immer auch ein Drama.

 

Gab es technische Herausforderungen bei der Montagearbeit?

Falk Peplinski: Oh da gab es einiges. Ich hatte ja bereits die Musik angesprochen. Ein wichtiges Element ist z.B. der „Toiletten-Song“, den die Hauptfigur SCHIMON im Film für ein großes Orchester komponiert und der immer wieder im Film auftaucht. Der war von Anfang an als Hommage an Bert Kaempfert gedacht. Er wurde von unserem Musiker Peter Gromer komponiert und dann beim Dreh als Playback eingespielt. Es gibt Szenen des Komponierens, der Orchesterprobe und der Studioaufnahme. Alles musste unbedingt synchron sein. Die Musiker spielten ihre Instrumente, Christoph Letkowski (SCHIMON) musste dirigieren und Luise Heyer (MILENA) musste glaubwürdig das Flügelhorn spielen (übrigens ein sehr schwieriges Instrument, für das sie extra Übungsstunden nahm). Die Montage musste zu jeder Zeit glaubhaft vermitteln, dass alle Figuren ihre Instrumente beherrschen. Andererseits musste natürlich auch das Spiel der Darsteller stimmen und ich musste gleichzeitig auch bei allen anderen Musikern im Bild darauf achten, dass sie korrekt spielten und im Takt blieben. Man konnte auch nicht wirklich tricksen, das hätte man gesehen. Am Ende wurde das Stück von einem richtigen Orchester noch mal neu eingespielt und wieder ans Bild angelegt. Das sollte dann alles synchron passen, ich hatte da ja keine Möglichkeit mehr den Bildschnitt noch anzupassen. Wir waren uns wirklich nicht sicher, ob das klappt, denn ein Orchester spielt eben nicht so taktgenau wie eine Komposition aus dem Computer und auch die Akustik ist anders. Das war am Ende dann auch so. Peter Gromer musste noch viel an den finalen Aufnahmen schnippeln und nachvertonen bis alles gepasst hat.

Eine andere Sache, die uns lange beschäftigt hat, waren die Szenen in den USA. Da das Geld knapp war, konnten nur die aller nötigsten Szenen mit kleinem Team in San Francisco gedreht werden. Der Dreh in den USA fand erst einen Monat nach Drehschluss statt. Dort entstanden die Außeneinstellungen mit SCHIMON sowie Totalen und Impressionen. Alle Spielszenen von SCHIMON und seiner verflossenen Frau YELLA (Karoline Bär) sind in Karlsruhe z.T. vor Greenscreen entstanden (z.B. die Szene auf dem Dach). Im Schnitt mussten wir dafür die passenden Hintergründe für die Szenen aussuchen. Dafür habe ich zunächst Fotos aus Google Maps verwendet, die ich als Key dahinter gesetzt habe. Später hatten wir Fotos die der Location Scout uns geschickt hatte, nachdem wir unsere Vorstellungen für die Backdrops konkretisiert hatten. Am Ende wurden genau diese Shots an genau den Drehorten dann auch gedreht. Auch für die Montagesequenzen am Beginn des Films, die SCHIMON's Leben in den USA zeigen habe ich zunächst Dummy-Footage aus Vimeo-Videoclips verwendet. Auch dieses Material wurde dann genau nach meinen Vorgaben nachgedreht. Am Ende waren wir selbst ein bisschen überrascht, dass alles so gut gepasst hat.

Auf jeden Fall sind der Regisseur und ich sehr glücklich über diesen Film, all die Anstrengungen haben sich wirklich gelohnt!

 

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Die Reste meines Lebens