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BFS Mitglieder stellen ihre Projekte vorMeldungen

FÜNF STERNE © IT WORKS! Medien GmbH

Rune Schweitzer über FÜNF STERNE

22.02.2017

 

Ab sofort stellen BFS-Mitglieder hier ihre aktuellen Projekte vor. Den Anfang macht Rune Schweitzer mit ihrem Dokumentarfilm FÜNF STERNE, der gerade auf der Berlinale zu sehen war und im Mai 2017 in die Kinos kommt.

1. Welche Szene in FÜNF STERNE findest du am stärksten?

Es gibt einige starke Szenen. Und da sie so unterschiedlich sind, in ihren Qualitäten, kann ich mich kaum für eine entscheiden. Aber ich finde eine Szene besonders witzig. Sie wurde im Schneideraum unter dem Titel "Frida Kahlo“ gehandelt, und wer den Film gesehen hat, weiß sofort wovon ich rede. Es ist ein herrlicher Schlagabtausch zwischen Annekatrin Hendel, der Regisseurin, und Ines Rastig, ihrer besten Freundin und Protagonistin. Ich muss IMMER lachen - ganz gleich, wie oft ich diese Passage schon gesehen und überarbeitet habe.

2. Welche Szene hat Dich am meisten Arbeit gekostet?

Am meisten Arbeit hat mich gekostet, dass es im Rohmaterial zunächst wenig klar erkennbare Szenen gab. Zwei Freundinnen, die vier Wochen in einem Hotelzimmer verbringen: da entsteht eher so eine Art Alltag. Es wird viel geredet und nebenbei finden viele kleine Aktionen statt. Wir haben die klar erkennbaren Szenen geschnitten und in eine Abfolge gebracht. Das hat aber nicht funktioniert - es war irgendwie hölzern und hat beim Sichten wenig Spaß gemacht.
Dann gab’s eine Planänderung und ich habe 'Tage' geschnitten. Also die Drehtage extrem verdichtet. Das war Arbeit, aber die Lösung. Kleinigkeiten, die keine 'Szene' wert schienen, waren drin. Wie hier mal eine Flasche Wein öffnen, da eine Zigarette auf dem Balkon, ein schöner Song über Youtube oder rumhängen und Chips essen. Und plötzlich war alles viel lebendiger und wir hatten Spielmasse. Und von dort aus haben wir dann Strukturarbeit gemacht, die immer kleinteiliger wurde.

3. Der Film ist eine Art dokumentarisches Kammerspiel. Hat das den Montageprozess erschwert?

Dass der Film konsequent im Hotelzimmer bleibt, haben wir in der Montage sogar noch forciert. Das war also kein Problem - im Gegenteil. Wir mussten nur darauf achten, ‚Echoraum’zu schaffen - also die kleinen Pausen, die man als Zuschauer braucht, um kurz Luft zu schnappen und das, was man gesehen hat, gedanklich weiterzuführen.
Etwas kniffliger waren die Schnittstellen. Gute Schnittbilder kann man in einem Hotelzimmer an einer Hand abzählen. Da musste ich viel probieren und ab und zu auch etwas gröber holzen. Aber eigentlich passt ein kantiger Schnitt ganz gut zu diesem Film.

4. Was war besonders an der Zusammenarbeit mit der Regisseurin?

Annekatrin ist klar und unerschrocken. Da macht es Spaß, beherzt Entscheidungen zu treffen. Und obwohl der Film für Annekatrin in emotionaler Hinsicht nicht leicht war, haben wir wirklich viel gelacht. Selbst dann, wenn wir in Not waren, weil Sachen nicht funktioniert haben.

5. Und warum sollte man sich den Film unbedingt im Kino ansehen?

Ich möchte niemanden zu einem Film überreden. Was ich aber vielleicht sagen kann: FÜNF STERNE dreht sich um Ines, eine Frau mit Galgenhumor, in akuter Lebenskrise. Und für diese Krise gibt es nicht nur einen Grund, die Probleme häufen sich. Dadurch ist der Film reich an existenziellen Themen. Das ist mir auch bei der Sichtung mit Freunden aufgefallen: jeden hat etwas anderes berührt. Und jeder hat einen etwas anderen Film gesehen. Somit sind also die Chancen gut, dass der Film einen auf irgendeine Art greift.