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Trockenschwimmen Buch und Regie: Susanne Kim

Marion Tuor erzählt über ihre Arbeit an TROCKENSCHWIMMEN!

Filmeditor/in:  Marion Tuor

Berlin 27.04.2017

 

In TROCKENSCHWIMMEN schlägt eine Gruppe Senioren hohe Wellen. Trotz ihres fortgeschrittenen Alters möchten sie in einer Leipziger Schwimmhalle endlich schwimmen lernen. Die Gründe dafür sind so unterschiedlich wie die Schüler selbst. Vom Segler bis zur Hausfrau bringt jeder seine eigene Lebensgeschichte, seine Ängste und Sehnsüchte mit in den Kurs. Gemeinsam gehen die älteren Damen und Herren die vor ihnen liegende Aufgabe mit Unsicherheit aber auch mit Freude und Humor an und beweisen, dass es nie zu spät ist, den Sprung ins kalte Wasser zu wagen.

Ein Gespräch mit Susanne Kim (Regie) und Marion Tuor (Schnitt).

Susanne Kim: Was war für dich das Besondere beim Schneiden von Trockenschwimmen?:

Marion Tuor: Das Interessante für mich war insbesondere die fragmentarische Erzählweise und dass ganz verschiedene Materialien zusammenkommen: klassisch beobachtende Szenen in einer Schwimmhalle, aber auch eine assoziative Erzählebene - Super8 Archiv-Material und die dazu von dir, gemeinsam mit Heike Hennig und den Protagonisten entwickelten Choreografien. Die verschiedenen Erzählebenen auszutarieren und miteinander zu einem organischen Fluss zu verweben, war der grösste Teil unserer Schnittarbeit.

Es gibt da diese starke Szene mit einer der Schwimmerinnen, die ihre Angst vor dem Wasser in einem leeren Schwimmbecken “heraustanzt”. Eine inszenierte Situation, die für viele Zuschauer das klassisch Dokumentarische sprengt, aber echt und nah ist in ihrer Emotionalität. Bei dieser und bei allen anderen  Choreografien haben wir uns im Schnitt entschieden, keinen Bruch zu machen. Diese Ebene haben wir also nicht im Visuellen, etwa in der Farbkorrektur, in der Bildgestaltung oder im Ton abgegrenzt, sondern im Gegenteil lange daran gearbeitet, dass ein Bildfluss entsteht.

Susanne Kim: Und es war dabei wichtig, dass die Bilder auf verschiedenen Ebenen funktionieren, dass wir eine Essenz herausarbeiten, aus allem, was uns an den Themen “Schwimmenlernen, Wasser, Alter, Angst” usw. interessiert. Dass man jetzt nicht DIE Geschichte des einzelnen Protagonisten erzählt, sondern eher eine Stimmung zum jeweiligen Charakter erzeugt. Dabei war auch das Sounddesign von großer Wichtigkeit. Schnitt hat etwas von Collagieren für mich, im Falle von Trockenschwimmen besonders. Oft ist es so, dass man zwei, drei Elemente arrangiert und dann merkt, dass eines davon zu viel ist, es bringt alles aus der Balance...

Marion Tuor: Wir arbeiten ja schon in der Entwicklungsphase zusammen, beim Diskutieren des Konzepts, beim Beurteilen erster Rechercheaufnahmen... Gibt es da eigentlich etwas, das für dich den “Editoren-Blick” ausmacht? Etwas, das für dich in dieser Phase des Prozesses besonders hilfreich ist?

Susanne Kim: Wichtig ist für mich vor allem, dass wir uns mittlerweile gut kennen und ich mit dir ungefiltert über meine Ideen und Gedanken sprechen kann – ich muss dir nichts pitchen, ich darf auch zweifeln.

Im Allgemeinen denke ich, dass Editoren durch ein – in mancher Hinsicht auch sehr pragmatisches - dramaturgisches Denken, schon sehr früh Richtungen und Strukturen erkennen, die helfen, ein Gerüst für den Film zu bauen. Es geht ja schon bei der Stoffentwicklung im Dokumentarfilm darum, einen soliden Rahmen zu schaffen, innerhalb dessen man dann sehr frei agieren kann. Das setzt sich dann während des Drehs und im Schnittraum fort. Dabei passieren natürlich auch Dinge zwischen Editor und Regie, die auf einer nicht verbalisierten Ebene funktionieren...

Marion Tuor: Es ist sicher eine Schwingung, die da sein muss, wenn man zusammenarbeiten will. Es braucht aber auch ein gewisses Maß an Reibung zwischen Schnitt und Regie... Dass man einander gegenüber offen ist, aber sich auch gegenseitig hinterfragt und herausfordert. Bei einem Stoff, den ich editiere, muss ich spüren, wo liegt die Begeisterung der Regie und steckt mich das an? Und sehe ich in dem Stoff inhaltlich und formal etwas, dass ich anziehend finde? Und man muss auch ein bisschen Neuland betreten mit der Arbeit,  es muss etwas dabei sein, das herausfordert. Alles andere ist Stillstand.

Trockenschwimmen, Kinostart 4.5.

www.trockenschwimmen.de