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2017-05-06 Heidi Handorf BFS-Ehrenmitgliedschaft ©Driemel

Neues Ehrenmitglied
Heidi Handorf

Berlin 13.05.2017

 

Letzten Samstag bei der Jahreshauptversammlung gab es auch eine kleine Überraschung, die wir absichtlich nicht in der Tagesordnung erwähnt hatten: Wir haben Heidi Handorf zum neuen Ehrenmitglied des Verbandes gekürt! Für alle die nicht dabei sein konnten, sind hier ein paar Fotos und die von Florentine Bruck gehaltene Rede zum nachträglichen Genießen.

 

Laudatio von Florentine Bruck

Liebe Kolleginnen und Kollegen, liebe Freunde!

Es ist mir eine ganz besondere Freude, heute eine Frau als neues Ehrenmitglied des BFS zu begrüßen, mit der mich seit vielen Jahren eine kollegiale, wie private Freundschaft verbindet: Heidi Handorf.

Heidi ist in jeder Hinsicht eine herausragende Kollegin, was sich nicht nur in ihrer beruflichen Laufbahn, sondern auch in ihrem ehrenamtlichen Engagement widerspiegelt.

Geboren im norddeutschen Uetersen, fand Heidi schon bald den Weg nach Hamburg, wo sie bei der Deutschen Wochenschau eine Ausbildung zur Schnittassistentin und "Jungcutterin" machte. Negativschnitt, Musik anlegen, Vertonung – all das lernte sie, genau wie das Schneiden, von der Pike auf.

Ab 1973 arbeitete Heidi in München als Schnittassistentin, u.a. von Jane Seitz ("Die Verrohung des Franz Blum", Regie: Reinhard Hauff), Inez Regnier, Beate Mainka-Jellinghaus und Peter Przygodda ("Die verlorene Ehre der Katharina Blum", Regie: Volker Schlöndorff & Margarethe von Trotta). Seitz, Mainka-Jellinghaus, Regnier und Przygodda: Das waren die damaligen Stars unter den Filmeditoren und von all ihnen hat Heidi gelernt. Es war die Art von Ausbildung unseres Berufes, wie es sie heute fast nicht mehr gibt – das Weiterreichen des Staffelstabs an die nächste Generation. "Eine schöne Zeit", wie Heidi immer wieder betont.

Außerdem arbeitete Heidi in dieser Zeit auch als Script/Continuity, manchmal sogar in Doppelbeschäftigung; tagsüber als Script am Set, abends als Schnittassistentin Muster anlegend – was man natürlich nur als junger Mensch schaffen kann!

Bei Alexander Kluges satirischem Film "In Gefahr und größter Not bringt der Mittelweg den Tod", assistierte sie Beate Mainka-Jellinghaus. Hier durfte sie ihre erste eigene Kinoszene schneiden, eine erotische Bettszene auf die Frau Jellinghaus keine Lust hatte. Von der 12-minütigen Szene, die Heidi zusammen mit dem Ko-Regisseur Edgar Reitz montierte, blieb allerdings im fertigen Film nicht mehr viel übrig.

Eine der ersten Produktionen, bei denen Heidi alleine den Schnitt verantwortete, war die erfolgreiche Kinderserie "Neues aus Uhlenbusch", unter der Regie von Rainer Boldt. Danach ging es Schlag auf Schlag: "Der Komantsche" und "Der Neger Erwin" mit Herbert Achternbusch; "Heimat" von Edgar Reitz, der 1984 nach zweieinhalb Jahren Arbeit beim Filmfestival in Venedig gezeigt wurde; "Stammheim" von Reinhard Hauff, der 1986 den Goldenen Bären der Berlinale bekam; und "38 – Auch das war Wien" von Wolfgang Glück, der 1987 als österreichischer Beitrag für den Oscar "Bester Fremdsprachiger Film" nominiert war.

"Des Teufels Paradies" von Vadim Glowna, "Blauäugig" von Reinhard Hauff, und "Der Kinoerzähler" von Bernhard Sinkel, für den Heidi erstmalig für den Deutschen Kamerapreis nominiert war, sind weitere Filme aus dieser Zeit.

Auch für das Fernsehen hat Heidi erfolgreich gearbeitet, davon alleine 10 Fernsehspiele mit Matti Geschonneck. Für "Angst hat eine kalte Hand" und "Ein mörderischer Plan" war sie weitere Male für den Kamerapreis nominiert. Auch ihre Zusammenarbeit mit Oliver Storz sei erwähnt, mit dem sie 4 Fernsehspiele machte.

Was immer Heidi macht, sie kniet sich ganz hinein. Es gibt Weniges, was sie nicht ausprobiert. Das gilt beim Filmschnitt genauso wie beim Essen und Kochen, einer weiteren großen Leidenschaft Heidis.

Da sie den Beruf selbst als Schnittassistentin begann, hat Heidi immer großen Wert auf ihre Assistenten gelegt, die sie, wo sie konnte, gefördert hat, und mit vielen bis heute in Kontakt steht.

Von 2006 bis 2008 war sie im Vorstand des BFS. Eine kleine Anekdote aus der Zeit, als die Geschäftsstelle noch in München war: Im Winter ging Heidi jede Woche ins BFS-Büro, um für Uta Freiwald, die damals die Geschäftsstelle leitete, die Heizung anzuschmeißen, damit Uta im Ladengeschäft nicht frieren musste.

Überhaupt ist Heidi ein emphatischer, engagierter Mensch, einer, der das Herz manchmal auf der Zunge trägt, aber es immer auf dem rechten Fleck hat. Als Freundin ist Heidi ein Pfund, weil man alles mit ihr bereden kann.

Sie kümmert sich selbstlos um eine syrische Flüchtlingsfamilie, ist als Mediatorin an einer Schule tätig und bringt Kindern im Verein "Lesefüchse" das Lesen nahe.

Heidi bereichert jede Diskussion zum Thema "Politik und Gesellschaft", da sie ein grenzenloses Interesse an allen Facetten das Lebens hat. Jeder Tag beginnt für sie mit der ausführlichen Lektüre der "Süddeutschen" und sie hat zu allem eine Meinung, die sie, wenn nötig, vehement verteidigt. Außerdem ist sie leidenschaftliche Kino- und Operngängerin. Ich kann mich glücklich schätzen, sie zur Freundin zu haben! Und ich kann Euch sagen, ein Abend gemeinsam mit Heidi und Monika Schindler ist nicht zu toppen...

Nun freue ich mich, unser neues Ehrenmitglied begrüßen zu dürfen, liebe Kollegen: Heidi Handorf!

 

2017-05-06 Heidi Handorf BFS, Ehrenmitglied ©Driemel

Lebensstationen von Heidi

Geboren am 5. 2. 1949 in Uetersen, Schleswig-Holstein

1968: Fotografenlehre mit Gesellenbrief in Elmshorn

1969: Kopierwerkslehre bei Geyer in Hamburg, u. a. Lichtbestimmung

1970: Ausbildung zur Schnittassistentin & "Jungcutterin" bei der Deutschen Wochenschau in Hamburg

1972: Umzug nach München; Festanstellung bei PT-Film, Schnitt von Werbung

1973 – 1978: Schnittassistenzen und Script/Continuity bei Serie und Kino

1977 – 2014: Filmschnitt von Kino, TV & Serie – insgesamt über 100 Filme

3 mal nominiert für den besten Schnitt beim Deutschen Kamerapreis: 1993 für "Der Kinoerzähler"; 1995 für "Angst hat eine kalte Hand"; 2001 für "Ein mörderischer Plan"

 

2017-05-06 Heidi Handorf, Florentine Bruck ©Driemel
2017-05-06 Heidi Handorf, Florentine Bruck ©Driemel