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(© Foto: Beatrice Babin)

Das Panel von links nach rechts: Dietmar Kraus, Susanne Binninger (verdeckt), Anne Fabini, Søren Schumann, Daniel Saltzwedel, Brigid O’Shea und Gesa Marten (© Foto: Beatrice Babin)

Unsere schöne Sorge: Was sich für die Montage von langen Dokumentarfilmen ändern muss

Berlin 31.08.2018

 

Der Bundesverband Filmschnitt Editor e.V. (BFS) hat am 29. August 2018 in Berlin Entscheidungsträger*innen der Dokumentarfilmbranche in das ACUD Studio eingeladen, zu einer Präsentation und Panel-Diskussion mit dem Titel ”Unsere schöne Sorge: Was sich für die Montage von langen Dokumentarfilmen ändern muss”.

 

Vor vollem Saal mit über 100 Gästen diskutierten miteinander:

 

•      Susanne Binninger – Regisseurin und 2. Vorsitzende der AG DOK

•      Anne Fabini – Filmeditorin und stellv. Vorstand der Deutschen Filmakademie

•      Gesa Marten – Filmeditorin, Dramaturgin und Professorin an der Filmuni Babelsberg

•      Brigid O’Shea – Leiterin der »Dok Industry« beim Filmfestval Dok Leipzig

•      Daniel Saltzwedel – Produzent und ehem. Förderreferent des Medienboard Berlin- Brandenburg

•      Søren Schumann – Redaktonsleiter ARTE beim Rundfunk Berlin-Brandenburg

·         Es moderierte Dietmar Kraus – Vorstand BFS.

 

Zum Auftakt präsentierte der BFS ein Positionspapier, welches die Missstände bei der Montage

langer, unformatierter Dokumentarfilme deutlich benennt, und ein Umdenken in der Branche

fordert.

Obwohl die Qualität eines Dokumentarflms maßgeblich von seiner Montage bestimmt

wird, sind in diesem Bereich angemessene Bezahlung, realistisch eingeschätzte Schnitt-Zeiten und effektive Arbeitsbedingungen zunehmend die Ausnahme.

 

Ausgehend von einer BFS-Umfrage zur Arbeitssituation der Filmeditor*innen im Dokumentarfilm, nannte Barbara Toennieshen folgende Daten:

 

•      Die Gagen lagen zum Zeitpunkt der Umfrage bei 80% der Filme unterhalb des Mindesttarifs.

•      Bei 30% der unformatierten Dokumentarfilme lag die effektive Tagesgage nur zwischen 200 €

•      und 80 € auf Rechnung – also in Einzelfällen sogar unter dem gesetzlichen Mindestlohn.

•      Diese extrem niedrigen Real-Gagen wurden in 70% der Fälle durch Pauschalverträge verschleiert,

•      d.h. die Beschränkung auf ein fixes Honorar, egal wie lange der Schnitt dauert.

•      Drehverhältnisse von 1:100 und weit drüber sind mittlerweile beim langen Dokumentarfilm üblich

 

Die Haltung des BFS dazu: Es ist für alle, die hochwertige Dokumentarfilme machen wollen, nicht mehr vertretbar, dass das Missverhältnis zwischen gestiegenen Materialmengen und geschrumpften Budgets durch unbezahlte Mehrarbeit im Schnitt aufgefangen wird.

 

Das BFS-Positionspapier formuliert dazu sieben Forderungen und Lösungsansätze. Die wichtigsten Punkte zusammen gefasst:

 

•      Planung und Budgetierung von realistischen Schnittzeiten: Aufgrund des gestiegenen Arbeits- und Aufgabenpensums sollten deutlich längere Schnittzeiten kalkuliert werden.

•      Angemessene Gagen: Die Leistung und Verantwortung von Editor*innen im Bereich des Dokumentarfilms müssen sich auch in ihrer Bezahlung widerspiegeln. Tarifgagen sollten gerade hier Mindestgagen sein, und nicht durch Pauschalen unterlaufen werden.

•      Mindeststandards für die Arbeitsbedingen: Projektbegleitende Assistenten und eine sorgfältige Aufbereitung des Materials müssen wieder selbstverständlich werden, genauso wie die frühzeitige Einbindung der Editor*innen in die Postproduktionsplanung.

 

Das Positionspapier und die Panel-Diskussion bilden den Auftakt für einen Dialog mit allen Mitgestaltern der Dokumentarfilmbranche. In den kommenden Monaten wird der BFS auf Sender, Filmförderungen, Produzent*innen und Regisseur*innen zugehen, und an sie appellieren, mit uns die Probleme und Lösungsansätze für die Dokumentarfilm-Montage zu beraten, und gemeinsam auf Verbesserungen hinzuarbeiten, die sich auch in Richtlinien, Planungen und Budgets wiederfinden.