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© Bayerischer Filmpreis 2017

Wir gratulieren: Bayerischer Filmpreis an Stephan Krumbiegel

München 27.01.2018

 

Peter Degener in der Märkischen Allgemeine vom 24. Januar 2018:

 Stephan Krumbiegel

Babelsberg. Der Filmeditor und Professor der Babelsberger Filmuniversität Stephan Krumbiegel ist mit dem Bayerischen Filmpreis ausgezeichnet worden. Gleich für zwei parallel entstandene Dokumentationen wurde Krumbiegel bereits am Freitag in München geehrt. „Beuys“ und „Peter Handke – Bin im Wald. Kann sein, daß ich mich verspäte...“ heißen die zwei Filme, für deren Schnitt Krumbiegel den Filmpreis erhalten hat. Der Bayerische Filmpreis wird seit 1980 jährlich von der Bayerischen Staatsregierung verliehen. Nach dem Deutschen Filmpreis ist er die höchstdotierte Auszeichnung für Kinofilme in Deutschland.

 

Der 53-jährige Berliner Krumbiegel unterrichtet seit 2007 Schnitt an der Babelsberger Filmuniversität. Er legt wert auf die Feststellung, dass er den Schnitt von „Beuys“ nicht allein bewerkstelligt hat. „Einer meiner Potsdamer Absolventen, Olaf Voigtländer, hat mit mir bei diesem Projekt völlig gleichgestellt gearbeitet“, sagt Krumbiegel, dem der Filmpreis allein verliehen wurde, weil damit zugleich auch das Handke-Projekt gewürdigt werden sollte. „Dokus werden selten für ihre Kamera oder ihren Schnitt ausgezeichnet. Diese Anerkennung ist selten und freut mich deshalb für das ganze Sujet der Dokumentation“, sagt Krumbiegel.

 

Die Jury hat vor allem die gegensätzliche Montage beider Filme hervorgehoben. Der Film über den Künstler Joseph Beuys von Regisseur Andres Veiel ist fast vollständig aus Archivmaterial zusammengesetzt. „Es ging darum den Künstler sprechen und erklären zu lassen und keinen Erzähler zu bemühen. Die Montage ist selbst sehr ausgestaltet und expressiv“, erklärt Stephan Krumbiegel. Mit bereits über 90?000 Kino-Zuschauern zählt „Beuys“ zu den erfolgreichsten deutschen Dokumentationen der jüngeren Vergangenheit. Die Dokumentation befindet sich derzeit in der Vorauswahl für den Deutschen Filmpreis.

 

Die Begegnung der Filmemacherin Corinna Belz mit dem noch lebenden Schriftsteller Peter Handke sei im Gegensatz dazu eher leise. „Hier war es im Schnitt die Herausforderung gewesen, diesen manchmal störrischen, bockigen Menschen nicht zu verfälschen und dem Zuschauer ein Gefühl für seine Persönlichkeit zu geben“, sagt Krumbiegel. Zwei Jahre lang arbeitete er im steten Wechsel an den beiden Projekten und ließ sich dafür unbezahlt von der Filmuniversität freistellen. Auch mit dem Maler Gerhard Richter ist Krumbiegel bereits durch die preisgekrönte Dokumentation „Gerhard Richter Painting“ verbunden.

 

 „Ich mache aber auch politische Filme. Derzeit bereite ich ein Projekt vor, dass sich mit der Robotik und dem Zusammenleben von Menschen und Robotern in unserer Gesellschaft beschäftigt“, kündigt er an. Auf den bald beginnenden 68. Berliner Filmfestspielen wird Mitte Februar auch sein jüngstes Projekt in der Sektion Forum gezeigt: „SPK Komplex“ handelt vom Sozialistischen Patientenkollektiv – einer umstrittenen Patienten- und Therapiegemeinschaft. „Das ist eine bislang unerzählte Geschichte der Radikalisierung in den Siebzigerjahren, zeitgleich zur Rote Armee Fraktion“, sagt Krumbiegel.