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FilmeditorIn

Berufsbild FilmeditorIn

„Montage ist die einzige neue Kunstform, die das 20. Jahrhundert hervorgebracht hat.“ (Alfred Hitchcock)

Schnitt, Montage, Editing...

...verschiedene Bezeichnungen für ein- und denselben Prozess.

 

Die Montage von Filmen, seien sie für Kino, Fernsehen, Internet oder andere Bereiche, ist der schöpferische und eigenverantwortliche Tätigkeitsbereich der EditorInnen (in Zusammenarbeit mit der Regie). Den FilmeditorInnen obliegt die komplexe Aufgabe, inszeniertes oder dokumentarisches Material zu montieren, die Handlung zu konstruieren bzw. den dramaturgischen Verlauf der Handlung festzulegen. Dabei verleiht der/die EditorIn dem filmischen Erlebnis im gleichen Zuge Rhythmus, Spannung und Fluss.

Die Welt der Montage basiert auf einem ganz eigenen Universum des Ausdrucks – mit einer völlig anderen Funktionsweise als z.B. der des Verbalen. Es ist die Kunst der Wirkung durch Kombination, durch Inbezugsetzung.

Die Kunst der Montage besitzt selbst kein eigenes, physisch fassbares Material – und wirkt im Mentalen in einer Weise, die sich keinesfalls so durch Worte ausdrücken ließe.

Demgemäß muss der/die EditorIn die Fähigkeit besitzen, sich in die Wirkung seiner/ihrer Montagen beim Zuschauer hineinzuversetzen, um so den dramaturgisch-filmischen Erlebnisprozess zu steuern. So wird aus dem Prozess des Herstellens eines Filmes eine „praktische Wissenschaft“, es gilt, die ganz besondere Erzählweise für jeden Film zu finden.

Sosehr im Vorfeld Drehbuch, Regie- und Kamerakonzeptionen erstellt wurden, tritt mit der Montage noch einmal ein ganz eigener Produktionsprozess in Gang, der das eigentlich Filmische des modernen Films ausmacht.

Der/die FilmeditorIn zählt (neben Kameramann/-frau, RegisseurIn, SzenenbildnerIn) zu den Bild-bezogenen Mit-Urhebern am Filmwerk.

Aufgabenbereiche

1.  Dramaturgisch-erzählerische Arbeit:

Rohschnitt:

Im Rohschnitt des Filmes werden (besonders beim Dokumentarfilm) die Entscheidungen bezüglich der Erzählform und des Erzählverlaufes getroffen. Der Filmeditor muss die Wirkung von Szenen steuern und beurteilen können, um ihre Handlung, deren Ablauf, ihre Dramaturgie und ihren Rhythmus herauszuarbeiten. Der Rohschnitt enthält bereits alle filmischen Elemente des fertigen Filmes – auch wenn diese noch nicht im Detail untereinander fein abgestimmt sind.

Im Rohschnitt wird die Hauptarbeit der Montage geleistet. Liegt der Rohschnitt vor, weiß man, was der Film will und was gemeint ist. Rohschnitt lässt sich als Festlegung der Auswahl und Abfolge der Einstellungen bestimmen. Die Abfolge entscheidet über Nähe und Distanz von Bildern und Tönen, über ihre Beziehungen und – nicht unwichtig – auch über ihre Nichtbeziehungen.“
(Gerhard Schumm)

Feinschnitt:

Beim Feinschnitt erhalten die ausgewählten und zu einer Erzählung verdichteten Elemente durch Verlängerungen, Kürzungen und oft auch Umstellungen Tempo und Timing – der Rhythmus des Filmes wird herausgearbeitet.

 

Der Feinschnitt interpretiert das Material, indem er an der jeweiligen Schnittstelle die Trennung betont oder indem er sie überspielt und Bindung und Nähe herausstreicht. Es werden Rhythmik und Timing herausgearbeitet. Was ein Film zu sagen, zu zeigen, zu erzählen hat, erkennt man nach dem Rohschnitt. Doch wie er das sagt, zeigt und erzählt - ob flüssig, widerborstig, verborgen, deutlich, mit Tempo oder gestaut, energiegeladen oder schwach, akzentuiert oder unauffällig, weich oder schroff - das weiß man erst am Ende des Feinschnitts.“
(Gerhard Schumm)

2. Workflow-bezogener Verantwortungsbereich („Head of Departement“):

Die EditorInnen begleiten den gesamten – aus zahlreichen parallel und hintereinander stattfindenden Einzelvorgängen bestehenden – Fertigungsprozess in dieser Phase der Filmherstellung. In der Tätigkeit des Editors oder der Editorin laufen schließlich „alle Fäden“ des Filmes (sprich: alle aus verschiedenen Berufen und Tätigkeiten resultierenden bildlichen wie akustischen Elemente) zusammen.

Da verschiedene Mitarbeiter (z.B. SchnittassistentInnen, PraktikantInnen) dem/der EditorIn zuarbeiten, wird die Position der EditorInnen oft als die eines „Head of Department“ der Schnitt- (oder Postproduktions-)Abteilung bezeichnet.