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Silke Spahr: "Unsere Mitglieder stehen vor dem Nichts"

Silke Spahr, Geschäftsführerin Bundesverband Filmschnitt, erzählt im Interview mit Blickpunkt:Film, dass die Filmeditoren aufgrund der Coronakrise in eine ökonomische Katastrophe stürzen. "Anders als etwa bei Festangestellten brechen die Einnahmen der Freischaffenden in der Filmbranche nun völlig weg", so Spahr.

Bild: Bundesverband Filmschnitt

|   Magazin

Silke Spahr, Geschäftsführerin Bundesverband Filmschnitt, erzählt im Interview, dass die Filmeditoren aufgrund der Coronakrise in eine ökonomische Katastrophe stürzen. "Anders als etwa bei Festangestellten brechen die Einnahmen der Freischaffenden in der Filmbranche nun völlig weg", so Spahr.

Inwiefern sind Ihre Mitglieder von den Auswirkungen der Coronavirus-Pandemie betroffen?

Silke Spahr: Die Filmeditoren sind, wie ja die gesamte Branche, massiv betroffen. Alles steht weitgehend still, allein einige wenige, relativ weit fortgeschrittene Projekte sind noch in Arbeit. Da die Filmeditoren überwiegend nur für die Produktionsdauer angestellt oder beauftragt werden, stürzen sie in der Corona-Krise mehrheitlich in eine ökonomische Katastrophe. Anders als etwa bei Festangestellten brechen die Einnahmen der Freischaffenden in der Filmbranche nun völlig weg.

Die Projekt-Stornierungen bei gleichzeitig komplett fehlenden Folge-Aufträgen bringen unsere Mitglieder also in eine unmittelbare Notlage, sofern sie keine Rücklagen bilden konnten. Filmeditoren konnten allerdings auch schon vor dem Corona-Virus nur in den seltensten Fällen Ersparnisse ansammeln. Unsere Mitglieder stehen also vor dem Nichts. Es ist durchaus zu befürchten, dass diese Situation zu einem Schaden führt, der nicht zu reparieren sein wird.

Welche Empfehlungen können Sie in dieser Situation geben?

Silke Spahr: Die meisten unserer Mitglieder sind konkret von Beschäftigungslosigkeit betroffen. Es gibt aktuell keine Aufträge. Insofern verweisen wir Mitglieder auf die Rettungsschirme von Bund und Ländern. Leider ist es durch die besondere projektbezogene Arbeit jedoch so, dass Filmschaffende Hilfen nur dann in Anspruch nehmen können, wenn ihre Auftraggeber auch die Voraussetzungen hierfür schaffen und nicht einfach kündigen, was derzeit die Regel ist. Hier braucht es noch eine größere Solidarität der Produktionsfirmen und Sender gegenüber den Filmschaffenden.

Wie wird sich die Krise kurz- und mittelfristig auf das Geschäft auswirken?

Silke Spahr: Kurzfristig ist sie katastrophal, für den Einzelnen, wie aber eben auch für die gesamte Branche und ja am Ende für die gesamte Gesellschaft. Wie sie sich auf unsere Mitglieder mittelfristig auswirken wird, hängt natürlich einzig und allein vom Verlauf der Epidemie ab und für welchen Zeitraum sie zu den notwendigen Maßnahmen zwingt, unter denen die Filmindustrie derzeit stillsteht. Wir sind zuversichtlich, dass sich die Branche nach Überwindung der Krise schnell wieder erholen kann. Es ist jedoch davon auszugehen, dass sich das Produktionsgeschäft und die Arbeitsbedingungen grundlegend ändern werden - wirtschaftliche Verantwortungen müssen für die Zukunft neu justiert werden.

Inwiefern ist die Politik aufgerufen, etwaige Schäden abzufedern?

Silke Spahr: Die Politik ist ja bereits aktiv, dennoch benötigen wir, wie auch viele andere Freischaffende im Filmbereich, noch weitergehende Maßnahmen um die nächsten Monate nicht in existentielle Not zu geraten.

Kreditprogramme - etwa der KfW - sind für freischaffende Filmeditoren, wie übrigens für hunderttausende andere Film- und Kulturschaffende auch, keine Hilfe, da sie diese auch mit ihrem üblichen Einkommen kaum zurückzahlen können werden. Wir brauchen vielmehr nun schnelle finanzielle Hilfen der Politik! Es ist jetzt an der Zeit, ein Grundeinkommen einzuführen, zumindest für die kommenden sechs Monate. Die Grundsicherung wäre ein erster Schritt aber noch nicht ausreichend.

Aber unsere Forderungen richten sich nicht nur an die Politik. Es ist innerhalb der Branche viel von Solidarität die Rede, bislang vermissen wir sie sehr! So sollten die Sender, allen voran die öffentlich-rechtlichen Anstalten, 100 Prozent Ausfallhonorar bereitstellen und nicht, wie angekündigt 50 Prozent. Und dies nicht erst nach langwieriger Einzelfallprüfung. Dieses Ausfallhonorar gilt es dann - und das ist noch nicht sonderlich solidarisch, sondern selbstverständlich - von den Produktionsunternehmen an die Filmschaffenden weiterzureichen. Bislang beobachten wir eher, dass Filmschaffenden massenhaft Kündigungen ausgesprochen werden. Jetzt zeigt sich aber, ob die Branche zu Glaubwürdigkeit, Fairness und Solidarität in der Lage ist, oder ob sie sich bloßstellt, was sicher am Ende zu einer Abwanderung ausgezeichneter und hochkreativer Fachkräfte führen würde.

Das Gespräch führte Barbara Schuster