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Edimotion Schnitt-Preise 2020 vergeben

Edimotion feiert erfolgreiche 20. Ausgabe als hybrides Festival und geht online noch bis 30.10.2020 weiter.

|   Magazin

Nach vier intensiven Festivaltagen endete am Montag, den 26. Oktober 2020, die 20. Ausgabe von Edimotion – Festival für Filmschnitt und Montagekunst in Köln mit der feierlichen Vergabe der Schnitt Preise. Das Festival fand in diesem Jahr aufgrund der Coronapandemie unter besonderen Vorsichtsmaßnahmen und in einer hybriden Variante statt. Die Online-Inhalte sind noch bis 30.10.2020 verfügbar.

Edimotion präsentierte vom 23. bis 26. Oktober 2020 insgesamt 15 nominierte Filme in den Kategorien Spiel-, Dokumentar- und Kurzfilm, begleitet von intensiven Gesprächen mit den anwesenden nominierten Editor*innen. Die Künstlerische Leiterin Kyra Scheurer zieht trotz der zahlreichen Einschränkungen und Herausforderungen in Zeiten der Pandemie eine begeisterte Bilanz:

„Es war ein besonderes Jahr – mit neuem Namen und rundem Festivalgeburtstag, aber unter bisweilen surrealen Bedingungen. Wir sind dankbar, dass die allermeisten Nominierten und Juroren tatsächlich live dabei sein konnten und wollten. Das Prinzip 'soziale Nähe trotz körperlicher Distanz‘ hat erstaunlich gut funktioniert. Auch die Gespräche über Filmmontage waren fruchtbar und anregend wie eh und je. Das Kino als sozialen Ort, das Leinwanderlebnis als Filmgenuss zu stärken und in schwierigen Zeiten erst recht Präsenz zu zeigen – das war und ist uns wichtig. Wir sollten das auch in den nächsten Monaten fortführen, denn Kultur ist systemrelevant und gesellschaftskonstituierend. Und dazu gehört auch Film- und Festivalkultur.“

In diesem Jahr erhielten den Filmstiftung NRW Schnitt Preis Spielfilm, dotiert mit 7.500 Euro von der Film- und Medienstiftung NRW, Stephan Bechinger und Julia Kovalenko für ihre außergewöhnliche Montageleistung an „Systemsprenger“. Die Jury, bestehend aus Katharina Blum (Film- und Medienstiftung NRW), Denys Darahan (Editor und Vorjahrespreisträger), Katalin Gödrös (Regisseurin), Eva Maschke (Bildgestalterin) und Roland Silbernagl (Schauspieler) begründete ihre Entscheidung wie folgt:

„Der Film nimmt sich eines komplexen Themas an, in dem wir eine Hauptfigur kennenlernen voller roher und nicht zu bändigender Energie. Die Montage spielt mit dem Kontrast von kindlicher Fröhlichkeit, Wut und bedrückender Schwere der Lebenssituation von Benny. Die Editorin und der Editor lassen gleichzeitig den notwendigen Raum für eine differenzierte und empathische Darstellung der Nebenfiguren, die sich mit ihr und um sie herum bewegen. Sie schaffen mit ihrer Arbeit ein Kraftfeld, das die Zuschauer selbst über den Schluss des Films hinaus in ihren Bann zieht.“

Der mit ebenfalls 7.500 Euro von der Stiftung Kulturwerk der Verwertungsgesellschaft Bild-Kunst dotierte Bild-Kunst Schnitt Preis Dokumentarfilm ging in diesem Jahr an Yana Höhnerbach für die herausragende Montage des Dokumentarfilms „Searching Eva“.

„Wie montiert man einen Film über einen Menschen, die nicht definiert werden will? Man bildet Kreise von Themen, webt Stimmen vom Innen und Außen hinein, verzichtet stringent auf zeitliche Chronologie und umrandet diesen Menschen dabei durch Schlaglichter der Selbstdarstellung, Beobachtungen von außen und Kommentaren aus dem archaisch-schwarzen Raum Internet. Yana Höhnerbach gelingt es mit der Montage, die Identität der Protagonist*in zu de-konstruieren. Die Montage macht dabei das Ungreifbare erfahrbar, verwischt Grenzen zwischen den Genres und lässt uns am Ende gleichermaßen ratlos wie erleuchtet zurück“, begründete die Jury um Veronika Hlawatsch (Sounddesignerin), Petra Hoffmann (Produzentin), Gesa Jäger (Editorin und Vorjahrespreisträgerin), Regina Schilling (Filmemacherin) und Teresa Vena (Filmjournalistin) ihre Entscheidung.

Die Jurys des Bild-Kunst Schnitt Preis Dokumentarfilm und des Filmstiftung NRW Schnitt Preis Spielfilm entschieden gemeinsam über die Vergabe des mit 2.500 Euro dotierten The Edit Space Förderpreis Schnitt, ermöglicht durch The Edit Space und das Land NRW. Sie zeichneten die Montageleistung von Sianne Gevatter an dem Kurzfilm „Nacht Ueber Kepler 452b“ mit folgender Begründung aus: „Aus einer Vielschichtigkeit von Ton- und Bildfragmenten montiert Sianne Gevatter eine Nacht im Fluss. Sie kreiert ein Figuren-Kaleidoskop, das eine kalte Realität in eine surreale und poetische Form bringt. Die Protagonist*innen behalten ihre Würde und bekommen den Raum, den sie brauchen und der es erlaubt, die Zuschauer emotional zu berühren. Empathisch und assoziativ komponiert die Montage das Material zu einem nächtlichen Rausch.“

Der Ehrenpreis Schnitt wurde in diesem Jahr an die Berliner Dokumentarfilmeditorin Karin Schöning für ihr Lebenswerk vergeben. Die Laudatio am Eröffnungsabend, an dem der von Karin Schöning meisterhaft montierte Film „Der Boxprinz“ in der restaurierten Fassung gezeigt wurde, hielt Regisseur Gerd Kroske. Am Abend der Preisverleihung würdigte Regisseur Thomas Heise die Ehrenpreisträgerin mit einer weiteren Laudatio.

Einige Sektionen und Formate wurden erstmals nur online veranstaltet: Der diesjährige Themenschwerpunkt „Edi-Motion: Schnitte in Bewegung“ widmete sich dem Verhältnis von Montage und der dem Medium Film wesensbestimmenden Bewegung. Auch beim Internationalen Programm kamen zahlreiche Editor*innen aus aller Welt im virtuellen Raum zusammen. An der Netzwerkveranstaltung des International Film Editors Forum (IFEF) und dem International Panel konnten dank der Online-Durchführung noch mehr Gäste als in den beiden Vorjahren teilnehmen. 60 Editor*innen aus 29 Ländern nutzten das Format für den Austausch über berufspolitische und filmgestalterische Themen. Auch das ebenfalls virtuell durchgeführte International Panel in englischer Sprachen zum Thema „Welcome to Chechnya: Wie ein Dokumentarfilm durch Deepfake-Technologie seine Protagonisten schützt“ stieß auf regen Zuspruch.

Der Gastlandabend stand ganz im Zeichen der Schweiz und konnte live im Kino vor Publikum stattfinden. Im Anschluss an das Screening von Peter Liechtis „Das Summen der Insekten“ gab die Schweizer Editorin Tania Stöcklin Einblicke in ihre Arbeit. Einführende Worte sprach Annette Brütsch von der Berufsgruppe Schnitt des Schweizer Syndikat Film und Video (ssfv).

Die 21. Ausgabe von EDIMOTION – Festival für Filmschnitt und Montagekunst findet vom 15.-18.10.2021 statt.