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In Erinnerung an Inge Schneider

© Foto privat

|   Magazin

Wie wir kurz vor Ostern erfahren haben, verstarb unser BFS-Mitglied Inge Schneider am 9. März 2021, nach längerer Krankheit. Zum Glück konnte sie trotz der Pandemie ihren letzten Lebensmonat in der Fürsorge ihrer Tochter Mariejosephin Schneider verbringen, auf dem vorpommerschen Lande, in der Zarrentin Siedlung von Sassen-Trantow.

Inge wurde am 3. August 1947 in Ermsleben, Sachsen-Anhalt geboren und hat an der Filmhochschule in Babelsberg Schnitt studiert. Ende der 1970er Jahre verließ sie mit ihrem Mann und der 1976 geborenen Tochter die DDR in Richtung Westen. Dem BFS ist Inge bereits 1987 beigetreten; sie zählte also zu unseren langjährigsten und treusten Mitgliedern.

Mit Werken wie "Kinderland ist abgebrannt" (1998), "Nach dem Fall" (2000), "Der Glanz von Berlin" (2001), "Die Spielwütigen" (2004), "Prinzessinnenbad" (2007) oder "Raising Resistance" (2011) etablierte sich Inge insbesondere als herausragende Editorin von Dokumentarfilmen. Zu den etwa 50 Langfilmen ihrer Filmografie gehören aber auch eine Reihe von Spielfilmen – darunter ihr letztes Projekt, dem Langfilmdebüt "Notes of Berlin" ihrer Tochter Mariejosephin. Wie so viele andere Filme wurde auch dessen Veröffentlichung durch Corona immer weiter verzögert. Aber Inge durfte noch miterleben, dass er bei den Biberacher Filmfestspielen 2020 drei Preise gewann.

2017 erhielt Inge beim Festival Edimotion in Köln (damals noch Filmplus genannt), den Ehrenpreis für ihr Lebenswerk. Ein Interview mit Werner Busch, und die Laudationen von Andres Veiel sowie Antje Kruska / Judith Keil, lassen sich unter dem Link nachlesen. Edimotion hat auch einen Nachruf veröffentlicht.

2013 erschien auf der alten BFS-Website ein Interview mit Inge, was man hier noch mal nachlesen kann. Ganz viele unserer Kolleg*innen schätzten sie sehr. Zu ihnen gehört auch André Nier, der ihr bei fünf Dokumentarfilmen assistieren durfte. Er hat uns seine sehr persönlichen Abschiedsgedanken zu seiner Mentorin geschrieben:

 

Ich habe mit Inge ab den "Spielwütigen" eine zeitlang eng zusammen gearbeitet, bis zuletzt bei "Prinzessinnenbad". Definitiv wäre ich nicht der, der ich heute bin, wäre ich Inge nicht begegnet.

Ich habe von ihr wahnsinnig viel gelernt: Der Blick auf das Leben, auf die Menschen, die kleinen Gesten, die kleinen Momente. Und immer die Prise Humor und Leichtigkeit im Material zu finden, zu ehren und wertzuschätzen. Ich habe von ihr gelernt, jedes Filmschnipselchen dreimal umzudrehen. Nie aufgeben, immer so lange schneiden und suchen bis die Szene stimmt und in ihr das "wahre Leben" steckt. Das Leben wie es ist, mit all seinen Schwierigkeiten, aber immer komisch und vor allem Liebevoll. Und auch wie wichtig es ist, seine Protagonisten zu ehren und zu lieben.

Wir waren ein eingespieltes Team und oft einer Meinung. Was vielleicht manchmal schwierig für die Regie war, da nun plötzlich zwei Leute davon überzeugt waren, die Szenenabfolge doch nochmal komplett neu aufzufädeln.

Inge war meine "Schnittmutter". Kaum ein Mensch hat mir so viel Kraft, Mut und Selbstvertrauen gegeben. Sie hatte immer an mich geglaubt, mir voll vertraut und mich immer bestärkt weiter zu machen. Einmal sagte sie sogar, ich solle später einmal in ihre Fußstapfen treten, wenn die Zeit gekommen ist. Ob ich dem jemals gerecht werden kann, weiß ich nicht, aber ich versuche es jeden Tag an dem ich schneide.

Ich kann mich bei Ihr nur von ganzen Herzen bedanken.

Sie wird immer einen großen Platz in meinem Herzen bewohnen.

Danke. Danke. Danke.

André Nier, 6. April 2021

Inge Schneider und André Nier in 2004 – © Edimotion Festival