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Initiative Zukunft Kino + Film kritisiert Novellierung der BKM-Richtlinie

|   Was gibt's Neues?

Die aktuelle Richtlinie für die kulturelle Filmförderung der BKM hat Geltung bis zum 31. Juli 2021. Anschließend soll eine aktualisierte Förderrichtlinie in Kraft treten, die derzeit erarbeitet wird. Die Initiative Zukunft Kino+Film sieht in den Eckpunkten der BKM einen Anschlag auf die kulturelle Filmförderung und eine detaillierte Stellungnahme dazu unter den gegebenen Voraussetzungen als nicht zielführend.

Ein Anschlag auf die kulturelle Filmförderung –
und weit und breit keine Strategie

Berlin, den 21.05.2021

Sehr geehrte Frau Staatsministerin Prof. Grütters,
Sehr geehrte Frau Schauz,
Sehr geehrter Herr Dr. Jan Ole Püschel,

herzlichen Dank für Ihren Brief vom 03.05. und Ihre Einladung, Stellung zu
nehmen.

Die „Initiative Zukunft Kino+Film“ begreift die Filmförderung ganzheitlich und
vermisst eine längerfristige Perspektive. Eine Stellungnahme zur Novellierung
der Richtlinie für die kulturelle Filmförderung der BKM erscheint uns unter den
gegebenen Voraussetzungen nicht zielführend.

Insbesondere der Vorstoß der BKM, die kulturelle Filmförderung auszuhöhlen
und die Stoffentwicklung für Dokumentarfilme zu streichen, ist ein Affront
gegen jede konstruktive Zusammenarbeit mit den deutschen Filmschaffenden.

Grundsätzlich begrüßen wir, dass die BKM sich erstmals bereit erklärt, die
Filmbranche zu diesem Thema anzuhören. Ihr Vorschlag zu Zeitablauf und
Verfahren ist allerdings inakzeptabel. Dass die BKM den Verbänden, Initiativen
und Institutionen zur Abgabe von schriftlichen Stellungnahmen einen Vorlauf
von nur wenigen Arbeitstagen einräumt, spricht weder für Neugier auf differenzierte
Auskünfte, noch für ein aufrichtiges Bemühen um Zusammenarbeit auf
Augenhöhe. Zudem werden bereits im Juli die Richtlinien erneuert. Wie sollte
in diesem knappen Zeitraum denn ein ernsthafter Novellierungsprozess unter
Berücksichtigung der Stellungnahmen überhaupt möglich sein?

Ihr schnelles Vorgehen hinterlässt den Eindruck, dass die BKM nur „auf Sicht“
handelt, ohne nachhaltige Ergebnisse erzielen zu wollen. Beziehen Sie die Branche
nur pro forma ein? Soll es hingegen um die Sache, also um grundlegend
verbesserte Förderstrukturen gehen, müsste die Filmförderung insgesamt in
ihrer jetzigen Gestalt auf den Prüfstand gestellt und neu organisiert werden,
anstatt auch in der größten Krise des deutschen Kinos der letzten 70 Jahre wieder
nur an kleinen Stellschrauben der vorhandenen, unzureichenden Richtlinien
zu drehen.

Wir begrüßen und teilen Ihre Einschätzung, dass die Zug- und Strahlkraft des
deutschen Films verbessert werden sollte. Dem ist aber nicht durch bloße
Verschiebung der ohnehin zu geringen Mittel der kulturellen Filmförderung
beizukommen. Nein: Ihre zutreffende Einschätzung verlangt eine grundlegende
Infragestellung der bisherigen Filmförderung. Stattdessen freut sich Ihr Referat
in der Zwischenbilanz der Kulturellen Filmförderung über die Erfolge in einem
selbstreferentiellen System: Die von der BKM geförderten Projekte erhalten
Auszeichnungen beim von der BKM gestifteten Deutschen Filmpreis und werden
auf der von der BKM maßgeblich finanzierten Berlinale uraufgeführt. Sind
dies die wichtigsten Erfolgskriterien der BKM für deutsche Filme?

Der deutsche Film braucht eine neue Gesprächskultur, die Widersprüche
aushält. Der deutsche Film braucht partnerschaftliches Agieren aller Teile der
Branche.

Wir setzen uns für ein Modell ein, das künstlerische Wagnisse ermöglicht. Eine
genaue Untersuchung der durch die Pandemie beschleunigten Marktveränderungen
sowie der Wirksamkeit der Filmfördermechanismen zur Unterstützung
von künstlerisch-kulturellen Erfolgen ist hierfür angebracht. Wir unterstützen
daher die Forderung nach einer unabhängigen Studie zur Evaluation der
gegenwärtigen Lage und zur Praxis der Filmförderung, deren Zielsetzung und
Kriterien unter Einbezug der ganzen Filmbranche etabliert werden. Vor diesem
Hintergrund ist es dringend nötig, dass die BKM sich in ihrer Struktur und ihrem
Vorgehen Prinzipien von Transparenz und Chancengleichheit verschreibt.

Wir freuen uns gleichwohl auf die Fortsetzung der Gespräche!

Mit freundlichen Grüßen


Die Initiative Zukunft Kino+Film

AG Kurzfilm
Bundesverband kommunale Filmarbeit
Bundesverband Regie
Crew United
Hauptverband Cinephilie
Verband der deutschen Filmkritik
Zukunft deutscher Film