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Maria Zimmermann

Der Schnitt ist das Herz einer Produktion.

Maria Zimmermann Foto BFS

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Wie bist du zum Filmschnitt gekommen?

Ich habe während der Schulzeit im Leistungsfach Kunst meinen ersten Kurzfilm gedreht und wusste, ich will irgendetwas im Bereich Fernsehen und Film machen. Aber ich wusste gar nicht, dass es den Beruf „Editor“ gibt. Nach dem Abitur habe ich beim Deutschen Sportfernsehen ein Praktikum in der Grafikabteilung gemacht. Dort habe ich gelernt, wie die ganzen Piktogramme und Hintergrundbilder erstellt werden und habe in der Senderegie angefangen, die Piktogramme auf Sendung zu geben. Das ist irgendwann zu einem Job geworden. Etwas später habe ich mitbekommen, dass es eine Ausbildung in diesem Bereich gibt: Mediengestalter Bild und Ton. So habe ich nach zwei Jahren Berufserfahrung in der Senderegie Mediengestalter gelernt. Und darüber bin ich zum Schnitt gekommen.
Irgendwie hat mich dieser Bereich am meisten fasziniert. Ich empfinde den Schnitt nämlich als das Herz einer Produktion. Da kommt alles zusammen und da geht alles weiter. Man hat mit allen Gewerken zu tun, und das hat mich einfach am meisten interessiert.

Du hast auch bei Großveranstaltungen wie der Fußball-WM 2006 gearbeitet. Wie muss man sich die Arbeit vorstellen? Hast Du das live geschnitten?

Das waren zwar Zusammenfassungen, aber wir haben es „Near-live-Schnitt“ genannt.
Wir haben Internet- und Handyproduktionen gemacht. Wenn zum Beispiel ein Tor gefallen war, hatten wir für die Handyproduktionen vier Minuten. In dieser Zeit musste das Material geschnitten und in acht verschiedenen Sprachen vertont und per Up-und-Down-Link an den Kunden gesendet werden. Da lief natürlich viel parallel, aber für diese Produktionen haben wir wirklich mit der Stoppuhr trainiert. Bei den Internetproduktionen musste zehn Minuten nach Spielende die Zusammenfassung online sein. Wir waren damals ein tolles Team und es hat auch viel Spaß gemacht, aber ich habe immer gewusst, dass ich in dem Bereich nicht alt werde. Das Tempo hält man auf Dauer nicht durch. Denn das war natürlich ein kompletter Gegensatz zu den Projekten, bei denen man allein im Schneideraum sitzt und mehr Zeit hat.

Hast Du Dich dann bewusst für den Bereich Dokumentarfilm entschieden?

Ich habe an der Hochschule auch Spielfilme geschnitten, was mir auch gut gefallen hat. Und vor allem habe ich dabei viel gelernt, was ich im Dokumentarfilm auch anwenden kann, denn vieles greift ja ineinander über. Aber letztlich hat es sich vor allem durch die Kunden ergeben, dass ich beim Dokumentarfilm gelandet bin. Aber darüber bin ich sehr froh, denn ich finde den Dokumentarfilm wahnsinnig interessant und habe gute Leute mit denen ich zusammen arbeite.

Siehst Du Unterschiede beim Schneiden von Spielfilmen und  Dokumentarfilmen?

Bei einem Spielfilm hat man durch das Drehbuch und die Szenen, die gegeben sind, erst mal einen roten Faden der einen ganz gut lenkt und leitet. Zumindest fürs erste. Ob der Film dann auch wirklich so funktioniert ist natürlich etwas ganz anderes.
Beim Dokumentarfilm fängt man oft ganz von vorne an. Natürlich hat man schon eine inhaltliche Idee und man weiß, welches Thema man erzählen möchte, aber gerade weil wir viel mit Archivmaterial arbeiten, hat man viel mehr Auswahl wie man eine Szene  eröffnet. Ich will nicht sagen, dass es schwieriger ist, aber es ist schon anders. Bei einem Dokumentarfilm muss man von Anfang an viel gravierendere Entscheidungen treffen. Man kann sich bei einem Dokumentarfilm auch einfach mal richtig verlaufen.

Du schneidest sowohl Kinodokumentarfilme als auch TV-Dokumentarfilme. Siehst Du dabei einen Unterschied?

Beim Fernsehen hast du halt oftmals einen Sendetermin, der meist ziemlich nah liegt. Das schafft einen ganz anderen Druck als bei einer Kinoproduktion. Ich glaube da hat man schon mehr Zeit. Bevor ich in den Schneideraum gehe, ist schon festgelegt wann das Grading ist, wann der Sounddesigner Hand anlegt, wann der Komponist und wann der Mischtonmeister. Im Kinobereich können die Editoren sehr viel mehr Zeit in die Bild- und Tongestaltung investieren. Im Fernsehbereich sitzt einem oftmals die Zeit im Nacken, man muss dann einfach viele Kompromisse eingehen. Das ist leider so.

Hast du das Gefühl, dass der Beruf des Editors genügend anerkannt ist in der Gesellschaft?

Ich glaube die wenigsten Leute machen sich Gedanken darüber was Filmschnitt überhaupt bedeutet. Wenn ich mit Leuten rede, die nicht aus unserer Branche sind, merke ich, dass viele gar nicht wissen, dass es den Beruf des Editors gibt. Auch viele Aspekte des Films, wie z. B. Stimmung oder Rhythmus erzeugen, da glauben die Meisten, das komme lediglich über die Musik. Für viele Menschen ist der Beruf des Editors gar nicht richtig greifbar, da kommen mir oft viele Fragezeichen entgegen.

Du hast es Dir ja auch zur Aufgabe gemacht, den Fragezeichen entgegenzutreten und bist sehr aktiv beim BFS, also dem Bundesverband Filmschnitt Editor. Was reizt Dich an der Verbandsarbeit?

Ich habe über den Verband eine Plattform gefunden, um Leute zusammenzubringen und Seminare zu organisieren, die ich so alleine natürlich nicht machen könnte. Gerade die Seminarreihe „SCHNELLER SCHLAUER WERDEN MIT BFS“ oder unsere „Jour fixes“, die wir in München anbieten, die planen wir so, dass es nicht nur für Editoren interessant ist, sondern auch für Leute aus verschiedenen Gewerken. Da schaffen wir uns in der Medienbranche eine Aufmerksamkeit. Natürlich ist es schwierig, die Allgemeinheit auf uns aufmerksam zu machen, aber branchenintern nimmt es in München gerade relativ an Fahrt auf.

Also kann eigentlich jeder zu den Veranstaltungen kommen?

Die „Jour fixes“ und Seminare sind grundsätzlich für alle Leute offen, die Interesse haben. Auch die Editoren können gerne Kollegen aus anderen Gewerken wie Autoren, Kameraleute oder Produzenten mitbringen. Es geht vor allem darum, gewisse Themen, die einen beschäftigen, zusammen zu besprechen. Ich finde immer gut, wenn Leute aus anderen Gewerken dazukommen um uns kennenzulernen und dann erfahren, über was wir uns Gedanken machen. Und wenn die sich einbringen, merken wir wiederum, was die eigentlich für Probleme haben. Es geht darum, sich auszutauschen. Deswegen kann eigentlich jeder kommen, den es interessiert. Die Leute sollen einfach sehen: Mensch, das ist ein Verein, die haben Top-Leute am Start, die sich gegenseitig fortbilden. Das ist natürlich auch Werbung für unser Gewerk und unseren Verband.

Stehen dabei eigentlich technische Inhalte im Vordergrund oder generell filmspezifische Themen?

Sowohl als auch. Wir haben einfach viel Technik, und da sind einige Themen hauptsächlich für Editoren interessant. Aber es gibt auch Technikthemen wie z. B. „Codecs“, die sind auch für Kameraleute oder Produzenten von Relevanz. Für den September plane ich gerade einen Dramaturgie-Workshop dann liegt der Fokus natürlich eher auf der inhaltlichen Seite. Ich versuche – soweit es geht – die Themen bunt zu mischen.

Wie schwer ist es, die Leute zu einer Weiterbildung zu motivieren?

Die ersten Seminare die ich organisiert habe, waren Samstags- oder Wochenendseminare, die waren schwierig zu planen und zu organisieren, denn viele Leute wussten nicht, ob sie am Wochenende Zeit haben oder doch arbeiten müssen, weil eine Deadline ansteht. Deswegen haben wir die „SCHNELLER SCHLAUER WERDEN MIT DEM BFS“-Reihe konzipiert: Das sind jeden Monat drei Stunden an einem Abend. Das ist eine kurze knackige Geschichte, die Leute können tagsüber arbeiten und Geld verdienen und sich dann ab 19:00 Uhr einfach und schnell fortbilden. Und das wird tatsächlich gut angenommen. Ich glaube dieses Konzept ist ein guter Mittelweg.

Trotzdem kann ich mir vorstellen, dass viele Leute es sich in ihrem alltäglichen Arbeitstrott bequem machen...

Ich glaube, dass sich Editoren eher weniger festfahren, denn gerade im Bereich Schnitt ändern sich ständig die Programme, die werden immer weiterentwickelt, die Branche verändert sich, seitdem es sie gibt. Es wird immer weitergegangen, und neue Wege werden erkundet. Man ist schon allein durch die ganzen Upgrades gezwungen, sich fortzubilden. Klar, wenn man festangestellt ist, bekommt man das irgendwie im Unternehmen vermittelt, aber viele Editoren sind eben selbstständig und müssen sich selber darum kümmern. Da bieten wir Ihnen die Möglichkeit.

Und es werden neue Impulse gesetzt...

Auf jeden Fall, denn der Austausch, der auf unseren Veranstaltungen stattfindet, ist Klasse! Auch wenn das jetzt sehr nach Werbung klingt, aber das darf man wirklich nicht unterschätzen. Es ist schön, zusammen zu kommen, Leute zu treffen die interessiert sind und Spaß an ihrem Beruf haben. Meist wird nach den Seminaren noch angeregt vor verschlossenen Türen diskutiert oder man zieht zusammen weiter und trinkt noch ein Bierchen und tauscht sich dort aus. Das ist nicht nur inhaltlich sehr wertvoll, sondern auch menschlich. Man ist schon eine nette kleine Gemeinde die sich wirklich gegenseitig stützt. Das ist gerade für Neueinsteiger gut. Als ich anfangs in die Selbstständigkeit gegangen bin, hatte ich zwar immer Jobs, aber trotzdem fehlte mir so ein bisschen die Rückendeckung. Über die Hochschule für Film und Fernsehen München habe ich damals Christine Schorr kennengelernt und über die bin ich in den Verband gekommen. Und da hatte ich das Gefühl: Mensch, hier sind Leute, mit denen du dich ohne Konkurrenzdenken austauschen kannst. Ich fühlte mich einfach aufgehoben. Und ich glaube, dass wir das auch in den Seminaren vermitteln. Dass es Orte sind, an denen man sich austauschen kann!
 

Maria Zimmermann