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Markus Kretzschmer: Webvideo

Webvideo-Schnitt ist eine großartige Möglichkeit, nach Ausbildung oder Studium in der Praxis Erfahrungen zu sammeln. Auch als QuereinsteigerIn ist es mit etwas gestalterischer Vorerfahrung und viel Leidenschaft für das Medium gut möglich, als FreelancerIn oder festangestellt in einer Produktionsfirma zu schneiden. Für ein Video im Netz braucht es kein tiefgehendes, technisches Fachwissen - es darf unsauber, roh und kantig sein. Die Sehgewohnheiten haben sich in den letzten Jahrzehnten sehr gewandelt und niemand stört sich an einem Jumpcut oder trashigen Effekten - am Ende gilt immer CONTENT IS KING.

Ich selbst habe nach meiner Ausbildung zum Mediengestalter Bild und Ton und einem anschließenden Studium der Medientechnik bei dem YouTube-Netzwerk MEDIAKRAFT mit Kamera und Schnitt für den Kanal DER ERSTE WELTKRIEG angefangen. Das Wissen hatte ich aus der Ausbildung und dem Studium, doch vor Allem die Praxis in einem Team unter Zeitdruck Probleme zu lösen und Videos zu schneiden war unverzichtbar für meinen weiteren Karriereweg in der Film- und Serienbranche.

Als EditorIn für Webvideos ist man aufgrund der budgetären und zeitlichen Umstände auch ColoristIn, Postproduction Supervisor, SounddesignerIn und einiges mehr. In meiner Zeit bei MEDIAKRAFT und anschließend als Technischer Leiter bei der MEIMBERG GmbH für die Musikshow BONGO BOULEVARD, musste ich mich in allen Bereichen der Postproduktion weiterbilden und mir Expertisen aneignen. Es gab nur mich und einen weiteren Editor in der Postproduktion unserer kleinen Firma.

Von der Anlieferung des Materials bis zur Abnahme eines 10-Minuten Videos werden häufig nur 1-2 Tage angesetzt. Für BONGO BOULEVARD hatte ich ohne Schnittassistenz ca. eine Woche Zeit. Das Rohmaterial aus verschiedensten Quellen umfasste nie weniger als 4-6 Stunden und am Ende habe ich, bis auf das Sounddesign, alle Schritte der Postproduktion selbst übernommen. Das fertige Video war zwischen 15 und 30 Minuten lang und enthielt 3 bis 5 Musikvideos zwischen Interview- und Showabschnitten.

Ein Webvideo hat noch mehr als ein Kino- oder TV-Film den Anspruch, von der ersten Sekunde an die Aufmerksamkeit der ZuschauerInnen packen zu müssen, da das Angebot im Netz schier unendlich groß ist. Die Hürde das Video abzubrechen und ein anderes Video anzuschauen, welches bereits auf der selben Seite beworben wird, ist sehr gering. Der dramaturgische Anspruch ist hoch und die Fähigkeit, eine Geschichte in kürzester Zeit mit all ihren Aspekten vom Spannungsbogen bis zur Heldenreise erzählen zu können, essentiell. Häufig gibt es kein Skript und einige grundlegende kreative Entscheidungen, wie die Verwendung von Musik und Sounddesign zur Emotionalisierung der Geschichte, müssen im Schnitt getroffen werden.

Heute arbeite ich in der Film- und Serienbranche als Schnittassistent und VFX Editor, da ich mich nach 5 Jahren im Webvideo-Bereich weiterentwickeln und in professionelleren Umfeldern mit größeren Budgets arbeiten wollte. Ich bin froh über diesen Wechsel, doch ich werde immer mit viel Freude und Stolz auf meine Zeit als Webvideo-Editor zurückblicken und ich kann es jedem jungen Menschen mit Leidenschaft für Geschichten und Montage sehr empfehlen.