Flying Tigers
Als ihre demente Mutter seltsame Dinge von Tigern erwähnt, die in Häuser eindringen, ist das für Filmemacherin Madhusree Dutta der Anstoß zu einer Reise ins indische Assam. Dort erfährt sie, was „Flying Tigers“ waren: US-Flugzeuge, die im 2. Weltkrieg Militärgüter von Assam über den Himalaya ins chinesische Kunming brachten. Duttas teilfiktionaler Doku-Essay führt um die halbe Welt und durch etliche Jahrzehnte und erzählt von menschlichem Erleben und gigantischer Logistik – kleine Geschichten im Schatten der großen Geschichte. Mit der in Kunming geborenen Medientheoretikerin Mi You und dem in Assam lebenden Forscher Purav Goswami kontrastiert sie die geräuschlos zirkulierenden Warenströme von heute mit der zunehmenden Einschränkung der menschlichen Bewegungsfreiheit. Ihr Film beschreibt die immer schon fluide Lebenswirklichkeit grenznaher Bevölkerungsgruppen, die nicht so homogen ist wie die politische Kartografie. Dazu passend wählt Dutta eine heterogene Form, die Genregrenzen sprengt: Interviews, Archivmaterial, Spielszenen, Animation, Musikeinlagen fügen sich zu einem sehr persönlichen Werk, das einen weiten Bogen spannt, intim und kolossal zugleich.
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